DBU-Seminar zum Leben und Sterben findet großen Anklang

Vom 21. bis 23. November 2025 fand in Hannover das DBU-Seminar „Leben, Sterben und das Danach“ unter Leitung der Ehrwürdigen Dagmar Doko Waskönig sowie Tsunma Konchok Jinpa Chodron im Zen Dojo Shobogendo in Hannover mit knapp 20 Teilnehmenden statt.

„Das Leben ist vergänglich, wir alle müssen sterben.“ Mit dieser Erkenntnis, die meditativ eingeübt wurde, begann am Samstag der erste Tag des Seminars. Im anschließenden Theorieblock lernten die Teilnehmenden die Prozesse des Sterbens aus buddhistischer Sicht kennen. 

In einer weiteren Meditation wurden die Teilnehmenden eingeladen, selbst den unweigerlich bevorstehenden Prozess des Loslassens einzuüben: „Meinen Wohnort – ich lasse ihn los. Alle Dinge, die mir wichtig sind – ich lasse sie los. Meine lieben Freunde und Familie – ich lasse sie los. Selbst meinen Körper und meinen Geist – ich lasse alles los.“ Später am Tag folgte eine Diskussion zu praktischen Vorbereitungen auf das Sterben sowie eine Meditation für Verstorbene.

Der zweite Tag begann mit einem Punkt, den viele Teilnehmende mit Spannung erwartet hatten: Eine Übung zur „essenziellen Phowa*-Praxis“. Im Nachhinein berichteten Einige, dass sie die Übung als intensiv, aber auch als tief ansprechend und verändernd wahrgenommen hätten.
Im Theorieteil am zweiten Tag ging es um die verschiedenen Möglichkeiten der Wiedergeburt. Damit hatten manche Teilnehmende ihre Probleme: „Für mich waren es zu viele Informationen, mit denen ich nicht direkt etwas anfangen konnte“, ließ eine Teilnehmerin verlauten. „Nicht noch ein Bardo!“, kommentierte eine andere.

Doko äußerte dazu nach dem Seminar, es sei aus ihrer Sicht unbedingt wichtig, die von der Buddhalehre angebotenen Lehren zum Thema Wiedergeburt in solch einem Kurs zu hören, selbst wenn man derzeit „für sich“ damit nichts anfangen könne.

Insgesamt zogen die Teilnehmenden  in der abschließenden Feedbackrunde aber einstimmig ein positives Fazit. Gelobt wurde dabei besonders, dass mit Doko und Jinpa „zwei starke Frauen“ das Seminar geleitet hatten. Ebenfalls wurde der gute Mix aus Meditation, Theorie und Gruppenarbeiten hervorgehoben. In letzteren konnten die Teilnehmenden sich auf persönlicher Ebene über das Gehörte ausgetauscht und darüber reflektieren.

Eine Besonderheit des Seminars war, dass Viele bereits Erfahrungen in der Sterbebegleitung mitbrachten. Eine Teilnehmerin berichtete eindrücklich, wie sie in diesem Rahmen direkt das Sterben einer Person miterlebt hatte: „Ich spürte hautnah, dass im Tod ganz andere Kräfte wirken als in unserem üblichen Alltag. Das hat mich ziemlich umgehauen!“

Erläuterung:

*Phowa ist die Übertragung (durch sie selbst, oder andere) des Bewusstseins einer Person zum Zeitpunkt ihres Todes, in eine visualisierte Manifestation des Erleuchtungsgeistes. Die essentielle Phowa ist eine sehr vereinfachte Form davon, die auch von Ungeübten und Nicht-Buddhist:innen verwendet werden kann. Eine Version davon ist im Buch „Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“, O.W.Barth Verlag, zu finden.

Der Borobudur

Ein einzigartiges Monument des Bodhisattva-Weges

Dagmar Doko Waskönig

Zuerst erschienen in Ausgabe 2/98 der „Lotusblätter“ (heute: „Buddhismus Aktuell“)

Dieser mit gewaltigen Steinmassen überbaute Hügel in Zentral-Java stellt einen ganz einzigartig gestalteten heiligen Ort dar. Man kann ihn typologisch wohl am ehesten als Terrassen-Stupa ansehen. Doch hat man damit noch keines der vielen Rätsel gelöst, die der Bau im Detail und als Ganzes betrachtet aufwirft.

Eine Unmenge von wissenschaftlichen Untersuchungen befasst sich mit ihm, ohne dass bis heute eine Gesamtdeutung der komplexen Konzeption gefunden wäre, die einmütig angenommen würde¹. Es bleibt faszinierend möglichen Deutungsversuchen nachzugehen. Solches Nachforschen wird den tiefen Eindruck, den dieses Monument auf empfängliche Menschen machen wird, keineswegs schmälern. Die Bewunderung für die geniale Lösung, mit der hier eigentlich Nicht-Darstellbares verkörpert wird, vermag das Emporsteigen in diese Welt der vielen Bodhisattvas und der hunderten von Buddhas noch vertiefend zu konzentrieren. „Der Borobudur“ weiterlesen

Ein strahlend klarer Geist in finsteren Zeiten

(Aus Eberhard Kügler (Hrsg.) „Zen – Sternstunden und Praxis“)

Autorin: Dagmar Doko Waskönig

Im Gedenken an den gemeinsamen Lehrer, Meister Gudo Wafu Nishijima, an sein unermüdliches Wirken für das Verständnis der Lehren Meister Dogens sowie an meine vielen Nachfragen dazu im Vieraugengespräch in seinem Zimmer, seine spürbare Freude, wenn er Klärendes dazu beibringen konnte, – im Gedenken daran möchte ich auch an dieser Stelle einige Gedanken vorstellen, die sich auf einen Text im SHOBOGENZO, dem Hauptwerk von Meister Dogen, beziehen.

Wir leben in einer Zeit, in der sich bekanntlich eine Reihe von schwerwiegenden Krisen zusammen ereignen, deren langfristige Auswirkungen wir noch gar nicht abschätzen können: die Klimakrise, die Pandemie und nicht zuletzt der furchtbare Krieg in der Ukraine mit noch ungewissem Fortgang. Angesichts dessen scheint es noch dringlicher als zuvor geworden zu sein, dass möglichst viele Menschen gut gegründet einen klaren Geist bewahren, ihn flexibel immer erneut aktivieren, um so, gegründet auf weises Verstehen und Mitgefühl, rechte Entscheidungen, rechtes Handeln zu ermöglichen, indessen Niedergeschlagenheit oder ein Aufgreifen irrationaler Theorien nicht aufkommen lassen.

Die buddhistische Lehre vermittelt nicht nur eine klare Sicht auf die Ursachen und Bedingungen all jener Leid bringenden Prozesse, so komplex sie im Einzelnen auch sein mögen, sie ermöglicht auch eine Stärkung jener Kraft der Klarsicht in der Meditation, in Zazen.

„Ein strahlend klarer Geist in finsteren Zeiten“ weiterlesen

Ein Leben als buddhistische Nonne in Deutschland

(aus: Ordenskorrespondenz 2/2017)

Autorin: Dagmar Doko Waskönig

Eine Grundlage: das Hingezogen-Werden zu religiösem Erfahren

Viele Christen mag es noch heute verwundern, dass eine hier im Westen aufgewachsene Frau den Weg zur buddhistischen Nonne gegangen ist. Damit es dazu kommen konnte, sind freilich, so scheint mir, mehrere Bedingungen zusammen gekommen. Im Rückblick auf diese Entwicklung ist zunächst ein auffallend früh, nämlich bereits mit vier Jahren gespürtes Hingezogen Werden zu einem religiösen Erleben zu erwähnen. Von da an ging ich wie selbstverständlich jeden Sonntag zum Kindergottesdienst, bis zur Schulzeit sogar allein. Dies scheint auch in sofern bemerkenswert, als meine Eltern keine Kirchgänger waren und ich nicht einmal getauft war.

Erst in den Jahren, als ich in der Oberstufe war und mich mit dem Krieg und Holocaust befasste, kamen ernsthafte Zweifel am Wirken Gottes, so wie es mir vermittelt wurde. Jene unglaublichen Geschehnisse, das maßlose Leiden der Menschen konnte ich mit der Vorstellung eines eingreifenden Gottes nicht zusammen bringen. Einige Jahre später, als ich einundzwanzig Jahre alt war, kam ein starkes persönliches Leiden hinzu: der Tod meiner Mutter. Mit einem Male verlor ich den Gottesglauben. Doch überdauerte offensichtlich eine religiöse Disposition die nachfolgenden Jahre, obwohl ich nicht mehr zur Kirche ging. Während meines Kunstgeschichts-Studiums erlebte ich bestimmte Objekte der sakralen Kunst des Frühmittelalters geradezu wie eine Art Offenbarung des Heiligen.

„Ein Leben als buddhistische Nonne in Deutschland“ weiterlesen

Neue Tuschezeichnungen im Zen Dojo Hannover

Zwei wunderbare Tuschezeichnungen des Hannoverschen Künstlers Thorsten Schirmer bereichern jetzt unsere Räume, laden zum Verweilen ein. Inspiriert durch die alten Tuschebilder des chinesischen Chan und des japanischen Zen malt Schirmer seit jungen Jahren in dieser Weise. Dieses Tun ist für ihn Meditation – für Zen-Übende gut nachvollziehbar.

 

Bild 1: Wasser-Berg-Landschaft mit Boot

Dieses Bild ist ein aktuelleres aus Schirmers Serie. Er überlässt es gerne dem Zen-Dojo, denn hier trifft es auf Bewunderer der Kunst von asiatischer Tuschezeichung.

 

Bild 2: Berg mit Weg 

Schirmer fertigte dieses Bild bereits vor etwa 10 Jahren an. Der hohe Berg in der Landschaft vermittelt ein intuitives Gefühl von Weite.

 

Beide Gemälde nebeneinander

Die beiden neuen Tuschezeichnungen hängen im Zen Dojo Shobogendo Hannover und laden zum Verweilen ein.

 

Zum Berg-Bild hier einige Worte von Meister Dogen:

„Seit anfangslosen Zeiten lebten große Heilige in den Bergen. Alle Weisen und Heiligen machten die Berge zu ihrem inneren Heiligtum, machten die Berge zu ihrem Körper und Geist. Die Berge verwirklichen sich hier und jetzt dank dieser Weisen und Heiligen. Im allgemeinen glauben wir, dass in den Bergen sehr viele weise und heilige Menschen anwesend seien; wenn wir aber in die Berge kommen, begegnen wir weit und breit niemandem. Die Berge offenbaren nur ihre kraftvolle Aktivität, sonst nichts.“ (Shobogenzo, Sansui gyo)

Zur Wasserlandschaft mit Boot einige Worte von Zen-Meister Sensu Tokujo, die Meister Dogen im Shobogenzo zu einer eigenen Formulierung anregten:

„1000 Fuß hängt meine Leine gerade hinunter,
Der leichtesten Welle folgen 1000 Kräuselungen.
Die Nacht ist still, das Wasser kalt, kein Fisch beißt an.
Mein Boot, gefüllt mit einer leeren Fracht Mondlicht –
Ich kehre zurück.“

Schweigen ist Gold – vom Klang und Wohl der Stille

Expo-Impressionen

Dagmar Doko Waskönig

Verblüfft hat mich seinerzeit immer wieder die Reaktion der Menschen im Finnland-Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover. Dort wurden die Besucher auf schmalem, sandigem Gang durch einen Dunkelraum an einer Wald-Wasser-Landschaft vorbeigeleitet, die als lebendes Bild in voller Breite an die Längswand projiziert war. Konfrontiert mit dieser nahegerückten, digital inszenierten Naturillusion, blieben die Menschen regelmäßig stehen, verweilten dort erstaunlich lange Zeit und – redeten kein Wort. Ganz still geworden, hatten sie ihr Sensorium anscheinend ganz auf Empfang gestellt „Schweigen ist Gold – vom Klang und Wohl der Stille“ weiterlesen

Weshalb sollten Männer Frauen überlegen sein?

(Aus: Buddhismus aktuell 3/2006)

Erfahrungen einer Frau auf dem Zen-Weg

Dagmar Doko Waskönig

Es mag eine glückliche Fügung gewesen sein, dass mich der Wunsch zu meditieren in den späten 70er Jahren zum Zen gebracht hat. Und zwar in solche Übungsgemeinschaften, in denen der Gedanke, als Frau sei ich zweitrangig, nicht für alle Aspekte des Weges geeignet, gar nicht erst aufkam. Zugegebenermaßen hätte mir solch ein Denken auch seit jeher fern gelegen. „Weshalb sollten Männer Frauen überlegen sein?“ weiterlesen

Zur Schatzkammer der wahren buddhistischen Weisheit

(Buchrezension über die neue Übersetzung von Dogen Zenji´s Sammlung von 301 Koan-Geschichten)

Jürgen Seggelke

Gudo Wafu Nishijima: Die Schatzkammer der wahren buddhistischen Weisheit – Dogen Zenji´s Sammlung von 301 Koan-Geschichten, erläutert von einem Meister der Gegenwart, W. Barth-Verlag 2005-11-16 448 Seiten, ISBN 3-502-61135-1

Wenn man jene tiefgründigen oft paradoxen buddhistischen Koan-Geschichten, – dies sind meist kurze Dialoge zwischen Meister und Schüler – `verstehen` oder jedenfalls besser verstehen will als bisher, sollte man diese Sammlung von 301 authentischen chinesischen Koans zu Rate ziehen. „Zur Schatzkammer der wahren buddhistischen Weisheit“ weiterlesen

Zazen ist Ruhe, ist Tröstung und ist Rettung

(aus Buddhismus aktuell 2/2008)

„Zazen ist Ruhe, ist Tröstung und ist Rettung“ (Gudo W. Nishijima)

Dagmar Doko Waskönig

Ohne Frage ist das Verdienst eines wirklichen Menschen, der in Zazen sitzt, unermesslich. Daher ist das Sitzen im täglichen Leben grenzenloses Glück und grenzenlose Tugend  (Dogen, Shobogenzo: Zanmai-o-zanmai).

Sich die besondere Stille zu gönnen, die den Übungsraum für Zazen (das schweigende, konzentrierte Sitzen der Zen-Tradition) erfüllt, ist eine wahre Wohltat. Und Ruhe im eigenen Körper und Geist zu erfahren und zu vertiefen, kann zu einem rechten Segen werden. Nichts anderes tun zu müssen, als sich nur ganz aufrichtig dem Sitzen anzuvertrauen, sich jetzt nur auf etwas ebenso Einfaches wie Wesentliches auszurichten, das macht für eine Weile frei. Befreit vom Druck des Alltags, den belastenden Ungewissheiten des Lebens, Ängsten und einem Ungenügen an den Begrenztheiten des Daseins. Immer dann, wenn Trost gebraucht wird, kann er hier auftauchen. „Zazen ist Ruhe, ist Tröstung und ist Rettung“ weiterlesen

Facetten der Achtsamkeit im Zen

(Aus: Buddhismus aktuell 4/2011)

Dagmar Doko Waskönig

Ba: Zen und Achtsamkeit erscheint mir fast wie eine Tautologie, oder, wenn man „Zen und Achtsamkeit“ im Internet eingibt, kommen aberhunderte von Einträgen. Wieso erscheinen Zen und Achtsamkeit so zentral verbunden, da doch Achtsamkeit in anderen Traditionen oft nur eine von verschiedenen Übungen ist?

DDW: Ein kurzer Blick auf die von dir angesprochenen Internet-Einträge scheint mir zu bestätigen, dass der Begriff Achtsamkeit kaum im Zusammenhang mit unserer japanischen Zen-Tradition auftaucht. Er scheint aber geradezu in Mode gekommen zu sein, freilich auf der Basis zweier anderer Entwicklungen: „Facetten der Achtsamkeit im Zen“ weiterlesen