Rezension von Holger Korin Stienen

Das Shobogenzo des Dogen Zenj
Die zentralen Passagen- erschlossen und kommentiert von Dagmar Doko Waskönig

O.W. Barth Verlag 2010

Hardcover mit Schutzumschlag, 263 S.

ISBN 978-3-502-61214-8

Das von der Zen- Meisterin Doko Waskönig vorgelegte Buch enthält eine ausgesprochen repräsentative Auswahl aus dem umfassenden Werk Shobogenzo des großen Dogen Zenji: 16 spirituelle, philosophische und der Praxis dienende Kapitel. Unter den deutschen Zen- Lehrern ist Doko Waskönig sicherlich die am tiefsten mit diesen Grundlagenwerk des Zen vertraute Persönlichkeit, gerade auch was die Arbeit mit den Schülern in der täglichen Übung im Dojo oder bei Sesshins betrifft. Ihr Lehrer Nishijima Roshi gilt heute in Japan als der größte Kenner des Shobogenzo, das zwischen 1231 und 1253 verfaßt wurde.

Wer wie ich bei Meisterin Doko zahlreiche Lehrreden zum Shobogenzo hören durfte und auch ihre bisherigen Texte kenne, erstaunt, wie sie im vorliegen Buch wieder so viele neue, erhellende Aspekte aus den Schriften Meister Dogens herausgearbeitet hat.

Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt. Der erste handelt von der Versenkung (Samadhi) in seiner Form des Zazen, die Meister Dogen von China nach Japan brachte. Der zweite handelt von dem, was Zen in der philosophischen Praxis ausmacht, Koan, das Gesamte, Kosmische, belebte und unbelebte Natur, die Ausprägung in China besonders in der Tang- Zeit; aber auch von hiermit in Zusammenhang stehenden Erleuchtungsmomenten. Der dritte behandelt das Handeln der Bodhisattvas, im Alltag, im Ethischen, im Mitgefühl. Der vierte schließlich behandelt die Mahayana- Lehre in ihrer ostasiatischen Ausprägung und damit auch die Frage der Buddhanatur und ihrer Freisetzung und auch die Karma- Lehre, um die sich im Zen ja gerne etwas gedrückt wird. Der letzte Abschnitt behandelt ein zentrales Thema besonders des Zen, die Weitergabe der Lehre in ihrer formellen Weise wie auch in der Herz- Geist- Übertragung von MeisterIn zu MeisterIn- Schüler. Hier wird auch mit großer Klarheit auf die Frauenthematik in Bezug auf Ordination und Dharmaübertragung eingegangen.

Meisterin Dokos Kommentare, mit tiefem historischen Wissen und Kenntnis der buddhistischen Literatur unterlegt, kommen besonders westlichen SchülerInnen entgegen.

Wie auch das Shobogenzo kann man das hier besprochene Werk nicht einfach durchlesen. Es akribisch zu erarbeiten würde dem Text aber auch nicht gerecht. Ich habe versucht, es mit offenem Geist gepaart mit großer Freude anzulesen, dann die Abschnitte zu vertiefen, die Kapitel und ihre zentralen Passagen zu erfassen und dann nochmal zu lesen, sich Zeit zu lassen, nach einigen Absätzen Zazen zu praktizieren, das vermeintlich Verstandene in mich einsinken zu lassen, um so dem klaren Denken und kraftvollen Ausdruck Meisterin Dokos gerecht zu werden.

Das besprochene Werk ist zweifelsohne ein großes Buch, sein Wirken geht über den eigentlichen Text hinaus. Es wird jeden Zen-Übenden weiterbringen, auch weil es eine starke Kraft in Richtung Klausur, Sesshin, Stille ausübt.

Für Anfänger ist der Text nicht einfach, aber auch sie wird er weiterbringen. Auch bei der Lektüre über Zen ist es besser, mit einem guten Text zu beginnen, der beständig und authentisch um den Kern der Lehre und Praxis angelegt ist, als mit einem weniger anspruchsvollen, der nur Teilaspekte, die Geschichte oder seine Philosophie beleuchtet. Das Buch ist auch jedem zu empfehlen, der in einer anderen buddhistischen oder westlichen religiösen Tradition steht oder dem, der etwas über die Essenz des Zen erfahren möchte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.